San Francisco, San Diego und Mexiko

Zwei Monate San Francisco: Kavenga liegt sicher in der Marina in Richmond für US$12.- am Tag. Wir haben uns einen alten achtzylinder Strassenkreuzer gekauft und haben die Weite der USA erforscht bis nach Texas hinüber. Jetzt wird es Zeit wieder auf's Meer zu gehen, weiter nach Süden, der Sonne und der Wärme hinterher. Kaltes, klammes Herbstwetter herrscht auf dem Pazifik, Nebelfelder, kaum Wind, hohe tote Dünung aus Nordwesten, die Kavenga schwer rollen lässt. Wo sind denn nur unsere Segelbeine geblieben?   
In San Diego liegen wir am Police Dock und erledigen die letzten Vorbereitungen für den Trip nach Süden. Ein komisches Gefühl ist das: irgendwie ist dies der Beginn unserer Rückfahrt, der Anfang vom Ende. Wir buchen den Flug für Klaas von Mexico nach Townsville. Und wir zahlen jede Menge Geld für unsere mexikanischen Fischlizenzen. Fast zweihundert US-Dollar sind es. Muss man das denn wirklich? In San Diego gehen schlimme Spukgeschichten umher über Segler, die keine Fischlizenzen hatten, deren Boote dann von den Behörden mit hohen Strafen belegt wurden. Ohne Fischlizenz wird das Schiff beschlagnahmt, heisst es. Wenn man erwischt wird, heisst es. Und selbst wenn man nicht fischt, braucht man trotzdem eine Lizenz. In unserer Zeit in Mexiko merken wir dann später, dass die Realität ganz anders ist: niemand kümmert sich um die Fischlizenzen. Trotz des dauernden Einklarierens und Ausklarierens von Hafen zu Hafen gibt es für uns keinerlei Probleme mit den Behörden. Die Beamten sind freundlich, die Gebühren nicht hoch. Jetzt aber erstmal Leinen los, San Diego's Skyline versinkt achteraus.
Baja California, Wüstenküste, einsames Land roter Felsen, Brandung an Kliffen, kaltes Wasser und noch immer Nebelbänke, karge Inseln, bunte Fischerboote, selten nur kleine Orte, ein paar Pickup-Trucks, zerbeult, Staubstrassen, lärmende Seelöwenkolonien, penetrant riechende Nistplätze der Pelikane. Hier gibt es soviel zu erforschen. Eine unserer Lieblingsinselgruppen sind die San Benitos. Seelöwen und See-elefanten, überall liegen sie am Strand oder toben neben unserem Dinghy durch das glasklare Wasser. Hier ist jetzt Spätherbst. Das Wasser ist eiskalt.
La Paz ist die grosse Verwaltungsstadt im Süden der Baja California an der See von Cortez, Sammelpunkt für all die Segler, die dem US-Winter entfliehen. Die Marina La Paz ist Treffpunkt für alle hier. Eberhard Wolff ist der Trans Ocean Stützpunktleiter in La Paz. Eberhard bringt die Post und hilft mit allen nur erdenklichen Tips. Im grossen Supermarkt laden wir Kavenga voll mit Dosen für den Pazifiktrip nach Townsville. Wild schwingen die Schiffe am Ankerplatz in der starken Tidenströmung: sie tanzen den La Paz Walzer. Wir treiben uns noch zwei Wochen lang in der faszinierenden Inselwelt der See von Cortez herum.
Weihnachten 1999: Silke und Britta haben gebacken, Kuchen und Kekse, Weihnachtsstollen, Zimtsterne, Oblaten. Klaas hat einen Fisch geangelt. Wir liegen vor Anker vor der Isla San Francisco. In diesem Jahr gibt es keinen Weihnachtsbaum. Das Land ist karg, ein paar Kakteen, vertrocknetes Gras. Da wächst nichts hier, das sich als Weihnachtsbaum eignen würde. Macht nichts. Unser Baum an Bord ist immer charakteristisch für die Gegend, in der wir gerade sind. Und wo nichts wächst, da ist kein Baum charakteristisch. Sylvester 1999, der grosse Sprung ins Jahr 2000. Was wird heute passieren? Überall auf der Welt soll es Katastrophen und Chaos geben. Wir hören Deutsche Welle und BBC. Das Datum auf unserem GPS springt auf den ersten Januar 2000. Er funktioniert noch! Auch sonst bleibt das Chaos auf der Welt aus. Wir ganz alleine für uns auf unserem Ankerplatz vor unserer Insel in der See von Cortez.
3. Februar 2000, wir haben Klaas zum Flughafen gebracht. Unsere kleine Familie ist noch kleiner geworden. Jetzt sind wir zu Dritt. Der ganze Pazifik liegt vor uns. Der direkte Weg von hier nach Townsville führt zuerst zu den Marquesas. Britta hat aber eine kleine Inselgruppe entdeckt, etwas weiter im Osten, und gar nicht so recht auf unserem Weg. Es sind die Galapagos Inseln. Die Galapagos Inseln!!!! Da müssen wir unbedingt hin, ganz unbedingt! Pinguine und Riesenschildkröten! Also los zu den Galapagos Inseln. Das ist nur ein kleiner Umweg, so 2000 Seemeilen. 

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