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Zwei Monate in Japan mit KAVENGA |
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Irgendwo
zwischen Japan und den Aleuten, Nordpazifik, Juni 1999: KAVENGA im Fischerhafen im Zentrum von Hiroshima
Noch gestern liefen wir unter Vollzeug mit rauschender Fahrt genau vor
dem Wind. Bis es rumpelte und polterte und das Schiff zum Stehen kam,
als hätte jemand die Notbremse gezogen. Gross und Fock auf
Schmetterling, gut zwanzig Knoten Wind in den Segeln, und der
elektrische Autopilot arbeitete, drehte das Rad nach backbord, nach
Steuerbord, doch vergeblich, denn Kavenga stand auf der Stelle, der
lange Pazifikschwell gegen das Heck schlagend. Auf 49 Grad Nord und
161 Grad Ost lag Kamchatka gut zweihundert Meilen nordwestlich von uns,
das Meer unter uns 5000 Meter tief. Womit wir nicht gerechnet hatten,
waren die großen Treibnetze der russischen Fischer aus Petropavlovsk.
Einige hundert Meter neben uns eine kleine Funkboje, das war die
einzige Markierung des Netzes. Wir hatten Glück. Die Segel kamen
runter, der Wind und die Wellen trieben uns frei. Das war gestern.
Noch ist es erst wenige Tage her, dass unsere zwei Monate in Japan zu
Ende gingen. Die fünfstöckige Pagode auf der
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Am nächsten Tag verlegten wir uns in den kleinen Fischerhafen
Daikumo-Ko (28 24.1N, 129 31.2 E), Buganker und Heckleinen zur Pier,
so wie wir es jetzt so oft machen würden. Ein kleiner Hafen ohne
Immigration oder Zoll und ohne Coast Guard. Ok, dachten wir, ab jetzt
wissen wir bescheid. Wo immer ein großer Hafen mit Behörden ist,
segeln wir dran vorbei. Soll uns doch erstmal einer finden in den
kleinen Fischerhäfen. So machten wir es dann auch, hielten uns an die
kleinen Häfen und sahen Zoll und Coastguard erst wieder in Hiroshima,
einige Wochen später.
Überall an den Küsten Japans gibt es diese kleinen Häfen mit ihren
Dutzenden von Fischerbooten. Meist sind es künstliche Häfen mit großen
Molen aus Betonklötzen und oft riesigen vorgelagerten Wellenbrechern.
Meist ist die Einfahrt markiert durch einen roten Turm auf Steürbord
einlaufend und einen weissen auf Backbord. Diese Seezeichen sind auch
bei gutem Küstenabstand auf einige Meilen weit erkennbar. Immer
schien für uns ein solcher Hafen in der Nähe zu sein, und das Liegen
hier ist kostenlos, die Fischer sind hilfsbereit und machten uns auch
ohne Englisch sprechen zu können immer gleich klar, wo im Hafen wir
am besten liegen konnten. Ankermöglichkeiten in Japan gibt es -
zumindest auf der von uns befahrenen Route- nicht so viele, denn die Küsten
sind recht offen und die Windrichtung wenig stabil.
Hier in Daikumo Ko wurden wir von einer alten Japanerin begrüsst, die
unsere zwölfjährige Tochter Britta an die Hand nahm und uns durch
den kleinen Ort führte. Im Fischladen organisierte sie als
Gastgeschenk hauchdünne Fischfilets für uns, im Lebensmittelgeschäft
Reiswein und Kartoffeln. Japan, das Land des herzlichen Willkommens
und der Gastgeschenke.
Eine weitere Übernachtfahrt (135SM) brachte uns nach Anbo auf Yaku
Sima (30 19N, 130 39.5 E). Yaku Sima ist eine fast kreisrunde Insel
mit einem 2000m hohen Doppelvulkan, steile hohe Berghänge, tiefgrün
bewaldet, berühmte Zedern Wälder. Wir machten fest im kleinen Hafen
Ambo, reges Treiben abends, als viele kleine Fischkutter einlaufen und
ihren Fang von fliegenden Fischen abliefern. Auch wir bekommen eine
Kiste Fisch.
Aprilwetter wie in Deutschland, Nieselregen und böiger Wind. Wir
laufen die dreissig Meilen zu unserem nächsten Stop auf Tanega Sima,
einer langen flachen und nicht so interessanten Insel, und machen an
der Hafenmole von Nisinoomote (30 44N, 131 00E) fest, mitten im
Zentrum des Ortes. Sicheres Liegen, und ein guter Platz für den
Absprung hinüber nach Kyushu, einer der vier Hauptinseln Japans.
45 Seemeilen sind es nach Miyanoura (31 24N, 131 20E), wieder ein
kleiner Hafen nur für Fischer, komplizierte Einfahrt bei dichtem
Nebel. Hinter dem Hafen liegt der kleine traditionelle Ort: winzige Gäßchen,
japanische Häuser mit ihren Ziegeldächern und Schiebetüren,
Reisterrassen, ein kleiner Tempel und Schrein am Rande des Waldes. Das
Japan der Millionenstädte und der Grossindustrie, es war weit
entfernt von hier.
Wind aus Norden, wir motorten nach Nichinan, 15 Seemeilen nur. Neben
uns die hohen Berge Kyushus, Dunkelgrün und Hellgrün, steile Küste,
Felsen und Inseln, Nichinan am Ende einer Bucht. Von den drei Häfen
dort wählten wir den, der uns nahe am Stadtzentrum liegen liess (31
35N, 131 24E). Hier gab es die ersten großen Supermärkte seit
Okinawa.
Der nächste Tag entwickelte sich zu einem Tag voller Überraschungen.
Nach wenigen Meilen unter Motor brach einer der Motorträger, und wir
liefen als Nothafen Ujumi (31 45N, 131 29E) an. Ujumi ist ein
malerischer kleiner Hafen an einem schnell fliessenden Fluss, hohe grüne
Berge im Hintergrund, Häuschen an engen Gassen, große bunte Fische
wie Drachen an langen Stangen über den Dächern flatternd. Der Träger
wurde uns in der Motorbootmarina geschweisst, umsonst. Dann tauchte
ein netter Japaner auf, der mit uns Sightseeing fuhr, nach Miyazaki,
Tempel und Parkanlagen, ein Bier im Restaurant im 42 Stock eines
Hotels. Abends hatte der Wind auf Süd gedreht, und wir legten ab.
Mondlose Nacht und ein gespenstisches Meeresleuchten. So stark war die
Fluoreszens, daß die Kronen vieler Wellen leuchteten. Nach 100SM
standen wir vor der Einfahrt in die Inland Sea, das große japanische
Binnenmeer. Frachter von vorne und hinten, neben uns ein U-Boot. Wir
liefen Saganoseki an (33 14N, 131 53E). Zwei stürmische Regentage
lang lagen wir hier sicher.
Auf unserem Wege nach Hiroshima kreuzten wir die hier circa 40SM
breite Inland Sea, fuhren durch enge Sunde unter einer Brücke
hindurch und landeten im Hiroshima Wan, einem durch viele Inseln fast
völlig abgetrennten Teil der Inland Sea. Atata Jima (34 12N, 132 19E.
Östliches Becken) war ein guter sicherer Hafen für die Nacht. Dann
fuhren wir am nächsten Tag nach Miya Jima und ankerten vor dieser berühmten
Insel (34 18N, 132 19E).
Der schwimmende Tori von Miya Jima ist eines
der bekanntesten Bilder Japans. Dies Tempeltor steht im Meer, im
Hintergrund der Itsukushima-jinja Schrein, die Fünfstöckige Pagode
und Mount Misen mit seinen baumbedeckten Hängen. Wir fuhren mit der
Seilbahn auf den Berg und hatten eine fantastische Aussicht über
Hiroshima und die Inland Sea. Hier oben gibt es eine Kolonie wilder
Affen. Rehe gibt es überall auf der Insel.
In Hiroshima, das nur fünf Seemeilen entfernt liegt, liefen
wir erst eine Marina am Hafeneingang an. Dort sollte es 100 US$ für
eine Nacht kosten. Wir verlegten uns in den Fischerhafen (34 21N, 132
28E)und blieben hier für zwei Nächte kostenlos. In Hiroshima
besuchten wir den Peace Park und das Museum. In Worte fassen kann man
kaum, was man hier sieht. Der Schaden, den diese Miniatur Atombombe
angerichtet hat, ist unglaublich.
Kaze No Ko ist eine kleine Werft, nur ca. 15 SM südlich von Hiroshima
gelegen (34 07N, 132 28E). Die Leute sind sehr hilfsbereit, können
etwas Englisch, und viele Reparaturen können hier erledigt werden.
Wir hatten ein paar kleinere Schweissarbeiten zu erledigen und blieben
zwei Nächte.
Von Kaze No Ko ging es in großen Schritten quer durch die
Inland Sea mit dem Ziel TO-Stützpunkt Kobe.
Ikuchi Shima (34° 17N, 133° 04E), wir lagen wieder in einem
kleinen gut geschützten Fischerhafen und besuchten von hier per Bus
denn Kosanji Tempel. Sehr sehenswert.
Am 1.Mai ging es zusammen mit etlichen japanischen Segelyachten unter
der neuen Hängebrücke nach Osima hindurch, die gerade an diesem Tag
eröffnet wurde.
Tomo-No-Ura (34° 23N, 133° 23E), sicherer Liegeplatz im
Aussenbecken bei den anderen Segelyachten. Tomo ist ein Ort voller
Tempelanlagen und enger Gassen. Ein alter kleiner Hafen mit langer
Geschichte und einem Innenbecken aus handbehauenen Steinen.
Überall in der Inland Sea kann die Strömung stark sein. Auf dem Wege
nach Tonosho auf Shodo-Sima (34° 29N, 134° 11E) kamen wir
durch den engsten Teil der Inland Sea und fuhren unter der Seto Ohashi
Brücke hindurch. An dieser Stelle der Inland Sea kehren sich Ebb- und
Flutströmungen um. Wir waren mit der letzten Flutströmung hierher
gelangt und hatten die Ebbströmung von hier an auch wieder mit uns.
Der Schiffsverkehr ist hier enorm stark. In Tonosho lagen wir wieder
unter Fischerbooten direkt im Ortszentrum. Am 3. Mai findet sechs
Kilometer von Tonoshu entfernt in den Bergen ein Kabuki Festival statt.
Wir wanderten durch kleine Dörfer und Reisfelder zu einer kleinen
Kabukibühne unter Bäumen und sahen den Vorführungen zu. Starr
geschminkte Gesichter, maskengleich, Musik auf traditionellen
japanischen Guitarren, ein begeistertes Publikum und Buden, die
allerlei japanische Snacks anboten, Kabuki auf Shodo Shima, ein echtes
Erlebnis.
Nächster Stop nach Tonoshu war der Kiba Yacht Harbour bei Himeji
(34° 46N, 134° 43E). Wir durften hier zwei Nächte kostenlos liegen,
zum ersten Mal wieder in einem Yacht Hafen. Der Manager Senno-San
spricht recht gut Englisch und ist enorm hilfsbereit. Von Kiba nahmen
wir die Eisenbahn und besuchten das Himeji Schloss. Dieses Schloss,
oder vielleicht besser als Burg übersetzt, ist das berühmteste
seiner Art in Japan. Es ragt weit über die Stadtkulisse Himejis auf,
und wir konnten bis in das oberste Stockwerk dieses gewaltigen Gebäudes
steigen. Ein Einblick in das Japan vergangener Jahrhunderte.
Nächster Stop war der Trans-Ocean Stützpunkt Akashi (34°
39N, 134° 59E).
Akashi ist der letzte Hafen vor der großen Hängebrücke über die
Engstelle der Inland Sea hier. Diese Brücke, die Pearl Bridge, ist
die grösste "single-span suspension bridge" der Welt und
hat eine Spannweite des Mittelstückes von circa zwei Kilometern! Die
300 Meter hohen Pfeiler samt den Haltetrossen standen bereits, als das
Erdbeben Kobe verwüstete, blieben aber unbeschädigt stehen. Das
Erdbeben schob sie um einen Meter auseinander, vergrösserte so die
Spannweite der Brücke. Das Hafenbecken von Akashi erschreckte uns auf
den ersten Blick. Autofähren, schnelle Personenfähren und Frachter
schossen aus dem Hafen heraus und liefen ein, starker Schwell liess
die Schiffe schaukeln. Kaum waren wir dort, kam aber auch schon das
Begrüssungskommittee. Gerhard hatte selbst keine Zeit, hatte aber
seinen Freund Hasegawa-San geschickt, der uns einen Platz zwischen den
Yachten des Akashi Yacht Clubs zuwies. Hier lagen wir sicher vor dem
Schiffsverkehr, und der Schwell war auch kein Problem mehr.
Akashi ist eine moderne freundliche Stadt vor der Kulisse der Pearl
Bridge, sehr gute Einkaufsmöglichkeiten, freundliche Menschen und
ausgezeichnete Bahnverbindungen nach Osaka, Kobe und Kyoto. Und natürlich
und ganz besonders der Trans-Ocean Stützpunkt. Wir lagen hier eine
Woche lang und verbrachten viel Zeit mit Gerhard und seiner Frau
Fusako. Wir waren erst das zweite T-O Schiff hier in Akashi. Vielen,
vielen Dank auf diese Weise noch einmal an Euch beide, Gerhard und
Fusako! Unsere Zeit in Akashi war einfach toll. Gerhard und Fusako
fuhren mit uns Einkaufen in billige Grossmärkte, zeigten uns das
Hinterland Kobes, Fusakos japanische Abendessen bei ihnen zuhause
waren einfach überwältigend... Dann lernten wir bei ihnen die
Tradition des japanischen Badens kennens, auch wenn ich persönlich
danach eher aussah, wie ein gekochter Hummer. Gerhard spricht perfekt
Japanisch und half uns in vieler Hinsicht. Wir fuhren zusammen nach
Kobe und kauften dicke Kleidung und Schlafsäcke für den Alaska Trip
ein. Unvergeßlich werden für uns auch die zwei Abende bleiben, die
wir alle zusammen mit Fusakos Eltern, Schwester und Großmutter
verbrachten. So weit entfernt von zuhause tut uns Weltenbummlern solch
eine Gastfreundschaft unheimlich gut.
Gerhard
und Fusako segelten mit uns nach Suma (34° 38N, 135° 08E)
einem kleinen Yachtclub bei Kobe. Unter der Pearl Bridge ging es
hindurch, viel Schiffsverkehr hier, über 1500 Schiffe pro Tag sollen
es sein. In Suma kann man einige Tage umsonst liegen. Gerhard hatte
uns angemeldet und es für uns arrangiert. Von hier ist man schnell
mit dem Zug in Kobe.
Nächster Hafen war Nishinumiya (34° 43N, 135° 21E). Gerhard
war wieder zu uns gestossen und zeigte uns den Weg hierher.
Nishinumiya ist einer der grössten und mondänsten Yachthäfen
Japans. Perfekt sicheres Liegen mit allem Komfort wie Wasser am Steg
und Duschen. Bis zu einer Woche kann man kostenlos liegen. Wir fuhren
mit der Bahn von hier nach Kyoto und besichtigten Tempel dieser alten
traditionsreichen Kaiserstadt. In Kyoto könnte man viele Tage
verbringen und viele Filme vollknipsen. Unsere Finanzen erlaubten uns
leider nur einen Tag.
Hoko Yacht Club war unser letzter Stop in der Inland Sea (34°
40N, 135° 24E). Wir hatten es nicht so geplant, aber wir liefen Hoko
an, als gerade die Rennyachten des Melbourne - Osaka Rennens ankamen.
Obwohl wir das vierte Schiff waren, erhielten wir leider keinen Preis...
Auch in Hoko durften wir bis zu einer Woche umsonst liegen. Man lud
uns ein an all dem Trubel des Rennens teilzunehmen, freies Bier und
Essen im Melbourne House des Yachtclubs und jede Menge Geklöne am
Abend. Wie gut tat es uns mal wieder andere Australier zu treffen, mal
wieder den guten alten Akzent zu hören und Leute zu treffen, die
statt perfekter Anzüge auch mal T-Shirts mit Löchern trugen, und
statt polierter Schuhe ein Paar Schlappen. In Hoko tankten wir zum
ersten Mal in Japan, zollfrei für 45 Yen.
Wir hatten nicht mehr viel Zeit jetzt und planten in einem großen
Schritt gleich nach Kushiro auf Hokkaido zu laufen. Diese rund 800SM
legten wir mit wenig Wind und viel Arbeit mit Spinnaker und Genua zurück.
Jetzt wurde es kalt und neblig. Nachttemperaturen sanken auf unter
zehn Grad. Enorm viel Schiffsverkehr bis wir an Tokyo vorbei waren. Überall
in Japan fahren jede Menge kleiner Frachter von Ort zu Ort, unter 100
Meter Länge. Wir lernten sie zu fürchten. Wenn sie uns sahen, änderten
sie bei Tag oft den Kurs aus Neugierde. Dann liefen sie direkt vor
unserem Bug über unseren Weg, oft mit einem Passierabstand von
zwanzig Metern zwischen ihrem Heck und unserem Bug, der Skipper meist
lustig winkend auf der Brücke.
Wir unterbrachen diesen Trip dreimal wegen Mangel an Wind. Zürst im
Hafen der Insel Osima (34° 41N, 139° 26E), einer perfekten
Bucht mit hohen Bergwänden ringsum. Dann in Sirahama Ko (34°
55N, 139° 55E), einem kleinen Fischerhafen mit gut geschütztem
Innenbecken, und schliesslich in der nagelneuen Marina des Ortes
Choshi (35° 42N, 140° 51E). Dann liefen wir am 5.6. bei dickstem
Nebel und dem letzten Licht in Kushiro (42 58N, 144 22E) ein, tasteten
uns von einer Seite des Hafens zur anderen, und fanden dann wieder bei
Fischern in einem kleinen Becken guten Schutz und sicheres Liegen. Von
hier war es nur ein Fussweg in das Zentrum Kushiros.
Hokkaido ist eine große Insel, die verglichen mit dem südlichen
Japan direkt einsam und nur wenig bevölkert ist. Wir wurden
eingeladen mit dem Auto in die Nationalparks zu fahren, besuchten
andere Parks mit der Bahn, wurden zum Essen eingeladen und zum
japanisch Baden... Es war richtig schön auch hier am Ende der zwei
Monate Japan noch einmal solche Gastfreundschaft zu erleben.
Am 15.6. klarierten wir aus und verliessen Kushiro so, wie wir
gekommen waren, bei Nebel. Und hier noch ein paar Warnungen. Zwanzig
Meilen östlich von Kushiro gerieten wir bei dickem Nebel und spät am
Tag immer wieder in Gruppen von Netzen. Diese Netze sind mal an Bojen
befestigt, mal sieht man nur die Schwimmkörper der Netze selber. Es
dauerte zwei Stunden lang und bis zum letzten Licht, um aus diesem
Gewirr von Netzen herauszukommen. Glücklicherweise war der Wind sehr
leicht, sonst wäre es viel schwerer gewesen. Auch in großen Teilen
der Inland Sea gibt es solche Verkehrshindernisse. Mal sind es große
Flösse, an denen Austern gezüchtet werden, mal sind es große Felder
von Netzen und Bojen, an denen Seetang wächst. Vorsicht ist geboten.
Und jetzt liegt Japan hinter uns. Ein phantastisches Land voller
netter Menschen, Fahrtensegeln, so wie vor vielen Jahren. Japan, ein
kaum von Seglern besuchtes Land, ganz bestimmt eine Reise wert.
Kiska, Aleuten, Alaska, 4.7.99
Zu unserer Fahrt in die Aleuten: inzwischen sind wir gut angekommen.
Die Fahrt verlief problemlos (bis auf unsere Erlebnisse mit den
diversen Netzen). Eher zuwenig Wind als zuviel, weites ruhiges Meer.
Hier waren wir in die nördlichen Fünfziger gesegelt, und es war viel
angenehmer als Segeln im Passat. Nur die Temperatur war niedrig,
runter bis fast auf Null nachts. Aber wo waren all die gefürchteten
Stürme, hatten wir uns gefragt? Die Antwort kam gestern, 3.7.99. Wir
liegen vor Anker in Kiska, einer unbewohnten Aleuteninsel, unsere
dritte schon. Vor uns schneebedeckte Berge, um uns die Schaumkronen
des Wassers. Nur hundert Meter vom Ufer entfernt spritzt die Gischt
und das Schiff legt sich auf die Seite bei Böen von über 40 Knoten.
Wir sind in Alaska. Doch mehr über Alaska im nächsten Reisebericht.
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