Zwei Monate in Japan mit KAVENGA

Irgendwo zwischen Japan und den Aleuten, Nordpazifik, Juni 1999:
Japan liegt weit hinter uns im Kielwasser, fast tausend Seemeilen seit Kushiro sind es. Wir sind auf dem Wege nach Alaska, erster Landfall geplant auf der westlichsten Insel der Aleuten, Attu. Im Moment läuft der Motor. Das Meer ist bis auf einen langen Schwell aus Südwest ruhig, grauer Himmel, Nebelfelder. Es ist kalt geworden. Bis runter auf nur ein Grad über Null.

Hiroshima

KAVENGA  im Fischerhafen im Zentrum von Hiroshima

Noch gestern liefen wir unter Vollzeug mit rauschender Fahrt genau vor dem Wind. Bis es rumpelte und polterte und das Schiff zum Stehen kam, als hätte jemand die Notbremse gezogen. Gross und Fock auf Schmetterling, gut zwanzig Knoten Wind in den Segeln, und der elektrische Autopilot arbeitete, drehte das Rad nach backbord, nach Steuerbord, doch vergeblich, denn Kavenga stand auf der Stelle, der lange Pazifikschwell gegen das Heck schlagend. Auf 49 Grad Nord und 161 Grad Ost lag Kamchatka gut zweihundert Meilen nordwestlich von uns, das Meer unter uns 5000 Meter tief. Womit wir nicht gerechnet hatten, waren die großen Treibnetze der russischen Fischer aus Petropavlovsk. Einige hundert Meter neben uns eine kleine Funkboje, das war die einzige Markierung des Netzes. Wir hatten Glück. Die Segel kamen runter, der Wind und die Wellen trieben uns frei. Das war gestern. Noch ist es erst wenige Tage her, dass unsere zwei Monate in Japan zu Ende gingen.

Miya Jima

Die fünfstöckige Pagode auf der
Insel Miya Jima bei Hiroshima

Zwei Monate in Japan... Fahrtenyachten kommen fast nie nach Japan. Kavenga war erst das zweite Schiff, daß den T-O Stützpunkt Kobe besuchte. Japan, was für ein faszinierendes Land, Land der Widersprüche und Ungereimtheiten. Auch zwei Monate sind nur ein Kurzbesuch. Genug Zeit, um Eindrücke zu sammeln, viel zu wenig Zeit, um sich ein Bild zu machen, um wirklich Einblick zu gewinnen. So muss Fahrtensegeln früher einmal gewesen sein, nur eine andere Fahrtenyacht trafen wir in Japan und die Gastfreundschaft der Menschen dort war so überwältigend, dass ich mit einem Bericht Seiten und Seiten füllen könnte. Einmal schon haben wir es ähnlich erlebt. Das war vor 12 Jahren mit Seeteufel in Peru und Chile.

Bleibende Erinnerungen an Japan, das sind die Fischer, die uns abends eine Kiste Fisch schenken, das junge Paar, das uns heissen Kaffee bringt, als wir abends an der Hafenmauer anlegen, heisse japanische Bäder, grüne Berge über großen Städten, kleine Fischerdörfer, Tempel und Pagoden, dichter Großstadtverkehr und volle Eisenbahnen, das weite einsame Marschland von Kushiro mit den Vulkanen in der Ferne, und natürlich Gerhard Kramer und seine Familie.

Palau hatten wir am 29.3. verlassen und hatten die 1350 SM nach Okinawa in neuneinhalb Tagen geschafft. Eigentlich sollte es direkt nach Kagoshima auf Kyushu gehen, aber dreihundert Meilen vor diesem Ziel liefen wir in starke Nordwinde. Statt gegenan zu knüppeln drehten wir auf Westkurs und liefen die hundert Meilen nach Okinawa. Wir waren nicht mehr in den Passatregionen, sondern im Gebiet der veränderlichen Winde. Ab jetzt war das Wetterfax noch wichtiger, Hochs und Tiefs mit ihrem vorhersagbaren Wechsel der Windrichtungen bestimmten ab jetzt unsere Pläne.

Naha auf Okinawa, Riesenstadt weit südlich vom Zentrum Japans, war schon ein Kulturschock nach den einsamen Pazifikinseln. Die Einklarierung war unser erster Vorgeschmack auf japanische Bürokratie: Zoll, Immigration, Quarantäne, Hafenbehörde, Coastguard. Es gibt in Japan für Fahrtenschiffe keine gesonderten Regeln, man durchgeht die selben Formalitäten wie die Grossschiffahrt. Die Beamten sind freundlich, ziehen sich sogar die Schuhe aus, aber gehen erst dann wieder, wenn auch das letzte Formular bis zum letzten Punkt hin sauber und ordentlich ausgefüllt, nachgeprüft, korrigiert, unterzeichnet und abgestempelt ist. Wir konnten Kavenga hier im Industriehafen Nahas an der Mole fast im Ortszentrum für zwei Nächte liegen lassen und stürzten uns in das Gewühl und die Exotik von Naha. Unser erster japanischer Ort! Märkte mit allem nur denkbaren Meeresgetier und den ungewöhnlichsten Speisen, japanische Schriftzeichen, blauer Himmel und warmes Wetter, Okinawa im April. Und Ampeln, wo bei Rot die Fussgänger auch wirklich stehenbleiben, selbst wenn weit und breit keine Autos kommen.

Der erste Abend in Japan kam, und er war so typisch für die nächsten zwei Monate. Kenji, ein Pilot einer 767 von All Nippon Airways hatte beim Landeanflug unser Schiff im Hafen gesehen, und kam vorbei um Hallo zu sagen. Er hatte eine Flasche traditionellen Okinawa-Schnapps dabei, und erzählte uns viel über Japan. Kurz nachdem er gegangen war, kam er schon wieder. Er hatte gesehen, dass unsere Tochter Britta erst 12 Jahre alt war und keinen Schnapps trank. Also brachte er Kuchen und Eis für die ganze Familie.

Direkt nördlich des Hafens von Naha liegt die Marina Goniwan. Wir hatten Naha verlassen müssen wegen eines starken Schwells, der uns gegen die Mole schwappte und liefen Goniwan an. Dies war die einzige Marina und der einzige Ort in unseren zwei Monaten in Japan, wo wir eine Liegegebühr zu zahlen hatten. 3500 Yen für eine Nacht für unser 14 Meter langes Schiff. Im Mai/Juni 99 entsprachen 120 Yen etwa einem US Dollar, oder 78 Yen einem australischen Dollar.

Preise in Japan, eine komplizierte Kiste. In unserem sehr guten Reiseführer (Lonely Planet Guide, Japan) hatten wir gelesen, dass Japan das teuerste Reiseland der Welt sein soll. Für den Segler ist ja vieles einfacher. Hotelkosten haben wir nicht, unsere Küche haben wir an Bord (samt jeder Menge an Vorräten vom letzten guten Supermarkt in Australien und Palau), und Sightseeing mit teuren Eintrittsgeldern und Transportkosten müssen wir eben auf ein Minimum beschränken. Was kostet es dann in Japan zu segeln? Ehrlich schwer zu sagen. Wenn man will, kann man in Japan die teuersten und besten Lebensmittel der Welt kaufen. Aber man muss ja nicht. Klar, Fleisch kann man kaufen für 80 US$ das Kilo, aber manchmal findet man Angebote, die nicht teurer sind als im Supermarkt in Australien. In keinem Land haben wir es bis jetzt so erlebt, dass das gleiche Produkt in zwei Geschäften nahe beieinander für so drastisch verschiedene Preise verkauft wird. Fazit: Japan ist teür, aber wenn man aufpasst, nicht so teür, dass man es von der Reiseroute streichen muss. Noch zum Thema Geld: Diesel kostet um 90 Yen an der Tankstelle, aber wir haben nur zweimal getankt, beide Male zollfrei für 38 Yen, bzw. 45 Yen. Was für ein Preisunterschied. Will man zollfrei tanken, muss man sich einen Zollagenten suchen (der Zoll kann die Telefonnummer heraussuchen), der es dann arrangiert, meist per kleinem Tankschiff, das längsseits geht.

Landausflüge sind eine andere Möglichkeit das Bordkonto zu entleeren. Wir sind meist zu Fuss herumgezogen oder von Bekannten gefahren worden. Ein Tagesausflug nach Kyoto und seinen Tempeln per Bahn von Kobe aus kostete dann allerdings für uns vier 28,000Yen für Bus und Bahn, Eintrittsgelder und ein paar Snacks.

Von Goniwan ging es über Nacht zur Insel Amami O Sima, 155SM. Amami ist eine große Insel mit hohen grünen Bergen und wenig besiedelten Ufern. Am Ende eines kleinen Fjordes liegen zwei Häfen, der Fischerhafen Daikumo Ko und die Stadt Naze mit ihrem Grossschiffshafen. Wir waren es ja noch von Südamerika her gewohnt, einfach in das Stadtzentrum zu fahren und an der Kaimaür längseits zu gehen. Das taten wir hier auch, aber was für ein Fehler! In Naze machten wir so richtig Bekanntschaft mit der japanischen Bürokratie. Kaum waren wir längseits, da kam auch schon der Zoll. Wir hatten gelesen, dass man eigentlich in Japan in jedem Hafen ein- und ausklarieren soll, also waren wir nicht überrascht. Dann aber kam die Coastguard mit sechs Mann an Bord. Und nun ging es richtig los. Mit nur ein paar Brocken Englisch machten sie uns klar, dass Yachten wie alle ausländischen Schiffe auch, nur in Open Ports einlaufen dürften, also nur die wenigen großen Einklarierungshäfen in Japan für uns erlaubt seien. Das ging eine Weile so hin und her, dann musste ich einen Grund angeben für das "Notanlaufen" Nazes, technische Probleme oder so. Jetzt musste ich zum Department of Transport in Naze gehen und mir eine Sondergenehmigung für den Aufenthalt in Naze ausstellen lassen. Eine Stunde später hatte ich dieses eindrucksvolle Dokument in der Hand, hatte versprochen niemals mehr in Japan andere Häfen als Open Ports anzulaufen und war ziemlich mit den Nerven fertig. Wenn wir das gewußt hätten, dann wären wir nie nach Japan gekommen! Wir schliefen erst einmal eine Nacht drüber.

 



Am nächsten Tag verlegten wir uns in den kleinen Fischerhafen Daikumo-Ko (28 24.1N, 129 31.2 E), Buganker und Heckleinen zur Pier, so wie wir es jetzt so oft machen würden. Ein kleiner Hafen ohne Immigration oder Zoll und ohne Coast Guard. Ok, dachten wir, ab jetzt wissen wir bescheid. Wo immer ein großer Hafen mit Behörden ist, segeln wir dran vorbei. Soll uns doch erstmal einer finden in den kleinen Fischerhäfen. So machten wir es dann auch, hielten uns an die kleinen Häfen und sahen Zoll und Coastguard erst wieder in Hiroshima, einige Wochen später.

Überall an den Küsten Japans gibt es diese kleinen Häfen mit ihren Dutzenden von Fischerbooten. Meist sind es künstliche Häfen mit großen Molen aus Betonklötzen und oft riesigen vorgelagerten Wellenbrechern. Meist ist die Einfahrt markiert durch einen roten Turm auf Steürbord einlaufend und einen weissen auf Backbord. Diese Seezeichen sind auch bei gutem Küstenabstand auf einige Meilen weit erkennbar. Immer schien für uns ein solcher Hafen in der Nähe zu sein, und das Liegen hier ist kostenlos, die Fischer sind hilfsbereit und machten uns auch ohne Englisch sprechen zu können immer gleich klar, wo im Hafen wir am besten liegen konnten. Ankermöglichkeiten in Japan gibt es - zumindest auf der von uns befahrenen Route- nicht so viele, denn die Küsten sind recht offen und die Windrichtung wenig stabil.

Hier in Daikumo Ko wurden wir von einer alten Japanerin begrüsst, die unsere zwölfjährige Tochter Britta an die Hand nahm und uns durch den kleinen Ort führte. Im Fischladen organisierte sie als Gastgeschenk hauchdünne Fischfilets für uns, im Lebensmittelgeschäft Reiswein und Kartoffeln. Japan, das Land des herzlichen Willkommens und der Gastgeschenke.

Eine weitere Übernachtfahrt (135SM) brachte uns nach Anbo auf Yaku Sima (30 19N, 130 39.5 E). Yaku Sima ist eine fast kreisrunde Insel mit einem 2000m hohen Doppelvulkan, steile hohe Berghänge, tiefgrün bewaldet, berühmte Zedern Wälder. Wir machten fest im kleinen Hafen Ambo, reges Treiben abends, als viele kleine Fischkutter einlaufen und ihren Fang von fliegenden Fischen abliefern. Auch wir bekommen eine Kiste Fisch.

Aprilwetter wie in Deutschland, Nieselregen und böiger Wind. Wir laufen die dreissig Meilen zu unserem nächsten Stop auf Tanega Sima, einer langen flachen und nicht so interessanten Insel, und machen an der Hafenmole von Nisinoomote (30 44N, 131 00E) fest, mitten im Zentrum des Ortes. Sicheres Liegen, und ein guter Platz für den Absprung hinüber nach Kyushu, einer der vier Hauptinseln Japans.

45 Seemeilen sind es nach Miyanoura (31 24N, 131 20E), wieder ein kleiner Hafen nur für Fischer, komplizierte Einfahrt bei dichtem Nebel. Hinter dem Hafen liegt der kleine traditionelle Ort: winzige Gäßchen, japanische Häuser mit ihren Ziegeldächern und Schiebetüren, Reisterrassen, ein kleiner Tempel und Schrein am Rande des Waldes. Das Japan der Millionenstädte und der Grossindustrie, es war weit entfernt von hier.

Wind aus Norden, wir motorten nach Nichinan, 15 Seemeilen nur. Neben uns die hohen Berge Kyushus, Dunkelgrün und Hellgrün, steile Küste, Felsen und Inseln, Nichinan am Ende einer Bucht. Von den drei Häfen dort wählten wir den, der uns nahe am Stadtzentrum liegen liess (31 35N, 131 24E). Hier gab es die ersten großen Supermärkte seit Okinawa.

Der nächste Tag entwickelte sich zu einem Tag voller Überraschungen. Nach wenigen Meilen unter Motor brach einer der Motorträger, und wir liefen als Nothafen Ujumi (31 45N, 131 29E) an. Ujumi ist ein malerischer kleiner Hafen an einem schnell fliessenden Fluss, hohe grüne Berge im Hintergrund, Häuschen an engen Gassen, große bunte Fische wie Drachen an langen Stangen über den Dächern flatternd. Der Träger wurde uns in der Motorbootmarina geschweisst, umsonst. Dann tauchte ein netter Japaner auf, der mit uns Sightseeing fuhr, nach Miyazaki, Tempel und Parkanlagen, ein Bier im Restaurant im 42 Stock eines Hotels. Abends hatte der Wind auf Süd gedreht, und wir legten ab. Mondlose Nacht und ein gespenstisches Meeresleuchten. So stark war die Fluoreszens, daß die Kronen vieler Wellen leuchteten. Nach 100SM standen wir vor der Einfahrt in die Inland Sea, das große japanische Binnenmeer. Frachter von vorne und hinten, neben uns ein U-Boot. Wir liefen Saganoseki an (33 14N, 131 53E). Zwei stürmische Regentage lang lagen wir hier sicher.

Auf unserem Wege nach Hiroshima kreuzten wir die hier circa 40SM breite Inland Sea, fuhren durch enge Sunde unter einer Brücke hindurch und landeten im Hiroshima Wan, einem durch viele Inseln fast völlig abgetrennten Teil der Inland Sea. Atata Jima (34 12N, 132 19E. Östliches Becken) war ein guter sicherer Hafen für die Nacht. Dann fuhren wir am nächsten Tag nach Miya Jima und ankerten vor dieser berühmten Insel (34 18N, 132 19E). Der schwimmende Tori von Miya Jima ist eines der bekanntesten Bilder Japans. Dies Tempeltor steht im Meer, im Hintergrund der Itsukushima-jinja Schrein, die Fünfstöckige Pagode und Mount Misen mit seinen baumbedeckten Hängen. Wir fuhren mit der Seilbahn auf den Berg und hatten eine fantastische Aussicht über Hiroshima und die Inland Sea. Hier oben gibt es eine Kolonie wilder Affen. Rehe gibt es überall auf der Insel.

In Hiroshima, das nur fünf Seemeilen entfernt liegt, liefen wir erst eine Marina am Hafeneingang an. Dort sollte es 100 US$ für eine Nacht kosten. Wir verlegten uns in den Fischerhafen (34 21N, 132 28E)und blieben hier für zwei Nächte kostenlos. In Hiroshima besuchten wir den Peace Park und das Museum. In Worte fassen kann man kaum, was man hier sieht. Der Schaden, den diese Miniatur Atombombe angerichtet hat, ist unglaublich.

Kaze No Ko ist eine kleine Werft, nur ca. 15 SM südlich von Hiroshima gelegen (34 07N, 132 28E). Die Leute sind sehr hilfsbereit, können etwas Englisch, und viele Reparaturen können hier erledigt werden. Wir hatten ein paar kleinere Schweissarbeiten zu erledigen und blieben zwei Nächte.

Von Kaze No Ko ging es in großen Schritten quer durch die Inland Sea mit dem Ziel TO-Stützpunkt Kobe.

Ikuchi Shima (34° 17N, 133° 04E), wir lagen wieder in einem kleinen gut geschützten Fischerhafen und besuchten von hier per Bus denn Kosanji Tempel. Sehr sehenswert.

Am 1.Mai ging es zusammen mit etlichen japanischen Segelyachten unter der neuen Hängebrücke nach Osima hindurch, die gerade an diesem Tag eröffnet wurde.

Tomo-No-Ura (34° 23N, 133° 23E), sicherer Liegeplatz im Aussenbecken bei den anderen Segelyachten. Tomo ist ein Ort voller Tempelanlagen und enger Gassen. Ein alter kleiner Hafen mit langer Geschichte und einem Innenbecken aus handbehauenen Steinen.

Überall in der Inland Sea kann die Strömung stark sein. Auf dem Wege nach Tonosho auf Shodo-Sima (34° 29N, 134° 11E) kamen wir durch den engsten Teil der Inland Sea und fuhren unter der Seto Ohashi Brücke hindurch. An dieser Stelle der Inland Sea kehren sich Ebb- und Flutströmungen um. Wir waren mit der letzten Flutströmung hierher gelangt und hatten die Ebbströmung von hier an auch wieder mit uns. Der Schiffsverkehr ist hier enorm stark. In Tonosho lagen wir wieder unter Fischerbooten direkt im Ortszentrum. Am 3. Mai findet sechs Kilometer von Tonoshu entfernt in den Bergen ein Kabuki Festival statt. Wir wanderten durch kleine Dörfer und Reisfelder zu einer kleinen Kabukibühne unter Bäumen und sahen den Vorführungen zu. Starr geschminkte Gesichter, maskengleich, Musik auf traditionellen japanischen Guitarren, ein begeistertes Publikum und Buden, die allerlei japanische Snacks anboten, Kabuki auf Shodo Shima, ein echtes Erlebnis.

Nächster Stop nach Tonoshu war der Kiba Yacht Harbour bei Himeji (34° 46N, 134° 43E). Wir durften hier zwei Nächte kostenlos liegen, zum ersten Mal wieder in einem Yacht Hafen. Der Manager Senno-San spricht recht gut Englisch und ist enorm hilfsbereit. Von Kiba nahmen wir die Eisenbahn und besuchten das Himeji Schloss. Dieses Schloss, oder vielleicht besser als Burg übersetzt, ist das berühmteste seiner Art in Japan. Es ragt weit über die Stadtkulisse Himejis auf, und wir konnten bis in das oberste Stockwerk dieses gewaltigen Gebäudes steigen. Ein Einblick in das Japan vergangener Jahrhunderte.

Akashi Marina

im Hafen von Akashi zwischen den Booten des Akashi Yacht Clubs

Nächster Stop war der Trans-Ocean Stützpunkt Akashi (34° 39N, 134° 59E).

Akashi ist der letzte Hafen vor der großen Hängebrücke über die Engstelle der Inland Sea hier. Diese Brücke, die Pearl Bridge, ist die grösste "single-span suspension bridge" der Welt und hat eine Spannweite des Mittelstückes von circa zwei Kilometern! Die 300 Meter hohen Pfeiler samt den Haltetrossen standen bereits, als das Erdbeben Kobe verwüstete, blieben aber unbeschädigt stehen. Das Erdbeben schob sie um einen Meter auseinander, vergrösserte so die Spannweite der Brücke. Das Hafenbecken von Akashi erschreckte uns auf den ersten Blick. Autofähren, schnelle Personenfähren und Frachter schossen aus dem Hafen heraus und liefen ein, starker Schwell liess die Schiffe schaukeln. Kaum waren wir dort, kam aber auch schon das Begrüssungskommittee. Gerhard hatte selbst keine Zeit, hatte aber seinen Freund Hasegawa-San geschickt, der uns einen Platz zwischen den Yachten des Akashi Yacht Clubs zuwies. Hier lagen wir sicher vor dem Schiffsverkehr, und der Schwell war auch kein Problem mehr.

Pearl Bridge

die Pearl Bridge bei Akashi

Akashi ist eine moderne freundliche Stadt vor der Kulisse der Pearl Bridge, sehr gute Einkaufsmöglichkeiten, freundliche Menschen und ausgezeichnete Bahnverbindungen nach Osaka, Kobe und Kyoto. Und natürlich und ganz besonders der Trans-Ocean Stützpunkt. Wir lagen hier eine Woche lang und verbrachten viel Zeit mit Gerhard und seiner Frau Fusako. Wir waren erst das zweite T-O Schiff hier in Akashi. Vielen, vielen Dank auf diese Weise noch einmal an Euch beide, Gerhard und Fusako! Unsere Zeit in Akashi war einfach toll. Gerhard und Fusako fuhren mit uns Einkaufen in billige Grossmärkte, zeigten uns das Hinterland Kobes, Fusakos japanische Abendessen bei ihnen zuhause waren einfach überwältigend... Dann lernten wir bei ihnen die Tradition des japanischen Badens kennens, auch wenn ich persönlich danach eher aussah, wie ein gekochter Hummer. Gerhard spricht perfekt Japanisch und half uns in vieler Hinsicht. Wir fuhren zusammen nach Kobe und kauften dicke Kleidung und Schlafsäcke für den Alaska Trip ein. Unvergeßlich werden für uns auch die zwei Abende bleiben, die wir alle zusammen mit Fusakos Eltern, Schwester und Großmutter verbrachten. So weit entfernt von zuhause tut uns Weltenbummlern solch eine Gastfreundschaft unheimlich gut.

Gerhard und FusakoGerhard und Fusako segelten mit uns nach Suma (34° 38N, 135° 08E) einem kleinen Yachtclub bei Kobe. Unter der Pearl Bridge ging es hindurch, viel Schiffsverkehr hier, über 1500 Schiffe pro Tag sollen es sein. In Suma kann man einige Tage umsonst liegen. Gerhard hatte uns angemeldet und es für uns arrangiert. Von hier ist man schnell mit dem Zug in Kobe.

Nächster Hafen war Nishinumiya (34° 43N, 135° 21E). Gerhard war wieder zu uns gestossen und zeigte uns den Weg hierher. Nishinumiya ist einer der grössten und mondänsten Yachthäfen Japans. Perfekt sicheres Liegen mit allem Komfort wie Wasser am Steg und Duschen. Bis zu einer Woche kann man kostenlos liegen. Wir fuhren mit der Bahn von hier nach Kyoto und besichtigten Tempel dieser alten traditionsreichen Kaiserstadt. In Kyoto könnte man viele Tage verbringen und viele Filme vollknipsen. Unsere Finanzen erlaubten uns leider nur einen Tag.

Familie in Japan

Kavenga Crew mit Gerhard/ Fusako (TO) und Schwester mit Eltern

Hoko Yacht Club war unser letzter Stop in der Inland Sea (34° 40N, 135° 24E). Wir hatten es nicht so geplant, aber wir liefen Hoko an, als gerade die Rennyachten des Melbourne - Osaka Rennens ankamen. Obwohl wir das vierte Schiff waren, erhielten wir leider keinen Preis... Auch in Hoko durften wir bis zu einer Woche umsonst liegen. Man lud uns ein an all dem Trubel des Rennens teilzunehmen, freies Bier und Essen im Melbourne House des Yachtclubs und jede Menge Geklöne am Abend. Wie gut tat es uns mal wieder andere Australier zu treffen, mal wieder den guten alten Akzent zu hören und Leute zu treffen, die statt perfekter Anzüge auch mal T-Shirts mit Löchern trugen, und statt polierter Schuhe ein Paar Schlappen. In Hoko tankten wir zum ersten Mal in Japan, zollfrei für 45 Yen.

Wir hatten nicht mehr viel Zeit jetzt und planten in einem großen Schritt gleich nach Kushiro auf Hokkaido zu laufen. Diese rund 800SM legten wir mit wenig Wind und viel Arbeit mit Spinnaker und Genua zurück. Jetzt wurde es kalt und neblig. Nachttemperaturen sanken auf unter zehn Grad. Enorm viel Schiffsverkehr bis wir an Tokyo vorbei waren. Überall in Japan fahren jede Menge kleiner Frachter von Ort zu Ort, unter 100 Meter Länge. Wir lernten sie zu fürchten. Wenn sie uns sahen, änderten sie bei Tag oft den Kurs aus Neugierde. Dann liefen sie direkt vor unserem Bug über unseren Weg, oft mit einem Passierabstand von zwanzig Metern zwischen ihrem Heck und unserem Bug, der Skipper meist lustig winkend auf der Brücke.

Kobe Erdbeben

Erdbeben Denkaml in Kobe. So wie dieses Stück Kaimauer sahen Kobes Uferbefestigungen nach dem großen Erdbeben aus

Wir unterbrachen diesen Trip dreimal wegen Mangel an Wind. Zürst im Hafen der Insel Osima (34° 41N, 139° 26E), einer perfekten Bucht mit hohen Bergwänden ringsum. Dann in Sirahama Ko (34° 55N, 139° 55E), einem kleinen Fischerhafen mit gut geschütztem Innenbecken, und schliesslich in der nagelneuen Marina des Ortes Choshi (35° 42N, 140° 51E). Dann liefen wir am 5.6. bei dickstem Nebel und dem letzten Licht in Kushiro (42 58N, 144 22E) ein, tasteten uns von einer Seite des Hafens zur anderen, und fanden dann wieder bei Fischern in einem kleinen Becken guten Schutz und sicheres Liegen. Von hier war es nur ein Fussweg in das Zentrum Kushiros.

Hokkaido ist eine große Insel, die verglichen mit dem südlichen Japan direkt einsam und nur wenig bevölkert ist. Wir wurden eingeladen mit dem Auto in die Nationalparks zu fahren, besuchten andere Parks mit der Bahn, wurden zum Essen eingeladen und zum japanisch Baden... Es war richtig schön auch hier am Ende der zwei Monate Japan noch einmal solche Gastfreundschaft zu erleben.

Am 15.6. klarierten wir aus und verliessen Kushiro so, wie wir gekommen waren, bei Nebel. Und hier noch ein paar Warnungen. Zwanzig Meilen östlich von Kushiro gerieten wir bei dickem Nebel und spät am Tag immer wieder in Gruppen von Netzen. Diese Netze sind mal an Bojen befestigt, mal sieht man nur die Schwimmkörper der Netze selber. Es dauerte zwei Stunden lang und bis zum letzten Licht, um aus diesem Gewirr von Netzen herauszukommen. Glücklicherweise war der Wind sehr leicht, sonst wäre es viel schwerer gewesen. Auch in großen Teilen der Inland Sea gibt es solche Verkehrshindernisse. Mal sind es große Flösse, an denen Austern gezüchtet werden, mal sind es große Felder von Netzen und Bojen, an denen Seetang wächst. Vorsicht ist geboten.

Und jetzt liegt Japan hinter uns. Ein phantastisches Land voller netter Menschen, Fahrtensegeln, so wie vor vielen Jahren. Japan, ein kaum von Seglern besuchtes Land, ganz bestimmt eine Reise wert.

Kiska, Aleuten, Alaska, 4.7.99

Zu unserer Fahrt in die Aleuten: inzwischen sind wir gut angekommen. Die Fahrt verlief problemlos (bis auf unsere Erlebnisse mit den diversen Netzen). Eher zuwenig Wind als zuviel, weites ruhiges Meer. Hier waren wir in die nördlichen Fünfziger gesegelt, und es war viel angenehmer als Segeln im Passat. Nur die Temperatur war niedrig, runter bis fast auf Null nachts. Aber wo waren all die gefürchteten Stürme, hatten wir uns gefragt? Die Antwort kam gestern, 3.7.99. Wir liegen vor Anker in Kiska, einer unbewohnten Aleuteninsel, unsere dritte schon. Vor uns schneebedeckte Berge, um uns die Schaumkronen des Wassers. Nur hundert Meter vom Ufer entfernt spritzt die Gischt und das Schiff legt sich auf die Seite bei Böen von über 40 Knoten. Wir sind in Alaska. Doch mehr über Alaska im nächsten Reisebericht.

 

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