Am 17. Juli 1999 verlassen wir den
kleinen Hafen von King Cove. Leider bläst der Wind bald von vorne,
und obwohl wir in den recht geschützten Inselgewässern der südlichen
Alaska Peninsula sind, kommen wir bald nur noch schwer voran und
tasten uns hinein nach Coal Bay, einer kleinen nicht richtig
vermessenen Bucht, die uns recht guten Schutz bietet gegen den Ostwind
(55° 22'N, 161Grad 20'W). Vom Ufer ist nicht viel zu sehen im
Nieselregen, noch wachsen hier keine Büsche oder Bäume, offene
Tundra, über die der Regen fegt. Klaas angelt im Schutz des Cockpits.
Dieser Platz hat es in sich. Flundern und Rockfish kommen in die
Pfanne, Pacific Cods gehen zurück ins Meer, denn wir sind ganz schön
verwöhnt. Dann hängt ein fetter Halibut an der Angel. Ein Meter
vierzig ist er lang und ganz schön schwer. Bevor er mit der dünnen
Angelschnur davon geht, hole ich die Harpune... Draussen regnet es und
der Wind pfeift, drinnen blubbert der Petroleumofen und wir braten
Fisch.
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vor Anker, Geographic
Harbor
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Die Alaska Peninsula ist eine rauhe Küste. Das Wasser ist oft flach
hier, die Küste nicht richtig vermessen, die Seekarten voller
Warnungen, Felsen weit draussen im Meer, und das Wetter ist berüchtigt.
Nebel und Niesel, unser Wetterglück scheint uns zu verlassen. Dann
Sturm aus Südwest mit bis zu fünfzig Knoten. Nur unter Trecker
reiten wir die Wellen ab, kommen gut voran, kurze steile See in der
Shelikoff Strait zwischen Kodiak und dem Festland. Nach dreihundert
Seemeilen liegt am Ufer querab bei plötzlich herrlichem Sonnenschein
der riesige Katmai National Park. Hohe Vulkane, Schnee, Eisfelder auf
den Bergen, unsere ersten Gletscher, und rotbraune Berghänge, die an
den Vulkanausbruch von Mount Katmai erinnern. Wälder am Ufer! Als wir
uns in die tiefe Ankerbucht von Geographic Harbour hineintasten (58°
06'N, 154°, 34'W), ist vom Wind zwischen all den Bergen nichts mehr
zu spüren, der Himmel ist blau, warmer Sonnenschein. Geographic
Harbour ist ein Geheimtip von Marcia auf der Tiglax! Jede Menge Bären
hier, angeblich. Britta steht im Cockpit mit dem Fernglas, ich
versuche ihr zu sagen, dass sie nicht zu traurig sein soll, wenn wir
keine Bären sehen, da haben wir auch schon den ersten am Ufer
entdeckt, dann den zweiten. Als wir vor dem langen flachen Sandstrand
ankern, graben sechs Bären direkt vor uns bei Ebbe nach Muscheln. Wir
gehen an Land beobachten die Bären. Als später eine Mutter mit zwei
Kleinen auftaucht, trauen wir uns nicht mehr aus dem Dinghi.
Geographic Harbour, die Bucht der Bären vor den Gletschern des Katmai.
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Blauer Himmel auch die nächsten Tage, Südwest mit 30 Knoten. Wir
kreuzen die Shelikof Strait hinüber nach Kodiak Island. Abends
ankern wir im Schutz von Dry Spruce Island (57° 57' N, 153° 00'W),
eine ganze Gruppe von Seeottern schwimmen dicht bei uns, auf dem Rücken
liegend, Seetang und Muscheln auf dem Bauch, bedienen sich von diesem
Vorrat und schauen uns mit ihren Schnurrbartgesichtern interessiert zu.
In Kodiak selbst (57° 47N, 152° 25'W) treffen wir zum ersten Mal
andere Segler. Das TO Schiff Falcon aus Belgien ist da. Ein bunter
Ort, viele Geschäfte, Erinnerungen an die Zeit unter russischer
Herrschaft. Die Zivilisation hat uns wieder!
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Hinüber zur Kenai Peninsula sind es 150 Seemeilen. Der Wind der
letzten Tage hat uns verlassen. Das Meer ist ruhig wie der sprichwörtliche
Tisch, die Sicht jetzt am Nachmittag spektakulär. Hinter uns die
Berge Kodiak Islands, vor uns die Gletschergipfel der Kenai Peninsula,
im Westen wieder die Eisberge Katmais. Sichtweiten von siebzig
Seemeilen und mehr, alles zum Greifen nah. Am Sealion Rock vor der
Nordspitze Kodiaks tasten wir uns so dicht die Felsen es erlauben an
eine grosse Kolonie von Stellar Seelöwen heran. Im Kelp zwischen den
Felsen tauchen Seeotter auf. Ein wahnsinniger Tag, aber wir wissen,
dass es davon in Alaska nicht so viele nacheinander gibt. Als wir die
Kenai Peninsula erreichen, am nächsten Morgen, hat es sich zugezogen,
ist regnerisch und bläst.
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Wieder hilft uns ein Artikel aus dem Seven Seas Cruising Association
Bulletin mit richtig guter Info. Es ist der Artikel "New Zealand
to Alaska in one season" von Eric und Lisa Pärels. Veröffentlicht
1996, leider zeigt meine Kopie nicht den Monat. Die Pärels haben ihr
Schiff Katmai in Seward, und Kenai ist ihr Heimatrevier. Viele Tips über
Ankerbuchten findet man in diesem Artikel. Hier auf der Kenai
Peninsula kommen wir in das Gebiet der Tidewater Gletscher. Die
Gletscher, deren Eiswände in die Fjorde hinein kalben und weite
Wasserflächen hinterlassen voll von kleinen und grossen Eisschollen.
Unser erster Stop ist der Northwestern Fjord mit seinem Gletscher. Die
Seekarte hört auf an der Gletschermoräne, die abrupt aus der Tiefe
des Fjord aufsteigt bis auf wenige Fuss Wassertiefe. Nur bei ruhigem
Wetter kann man sich über die Moräne wagen, und der Pass hat die
Position 59° 44.225'N, 149° 53.603'W. Problemlos finden wir die
Durchfahrt mit rund zehn Metern Wasser, und später einen Ankerplatz
bei 59° 45.9'N, 150° 03.7'W. Dieser liegt circa fünf Meilen über
den Rand unserer Seekarte hinaus in unvermessenen Gewässern. Wir
ankern auf 15 Meter, fünf Gletscher schieben sich vom Felsplateau
hinunter in den Fjord, der mit Eis übersät ist. Lautes Knallen tönt
durch die Nacht hindurch, wenn die Gletscher kalben, Eissäulen ins
Meer stürzen. Wir trinken Margaritas mit Gletscher Eis. Später
fahren wir auf unserem Wege nach Seward noch zum Holgate Gletscher,
treiben im Eis, machen Fotos. Bilderbuchalaska.
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In Seward stoppen wir für zwei Nächte, malerischer Ort am Ende des
Resurrection Sounds, aber auch der erste Ort, der per Auto erreichbar
ist, und am Ufer parkt eine lange hässliche Schlange von RV's
(Recreation Vehicles). Seelöwen und Seeotter schwimmen im Hafenbecken
direkt neben uns.
Wieder Sonne, wieder blauer Himmel, wieder diese kristallklare Sicht
auf Bergkuppen und die sich langsam zu Tal windenden Gletscherzungen,
als wir der Küste nordostwärts in den Prince William Sound hinein
folgen. Wir ankern in der Granite Cove (60° 59'N und 147° 10'W).
Direkt am Columbia Gletscher haben wir den nördlichsten Punkt der
Fahrt erreicht, fast 61°. Zwei Nächte bleiben wir hier, tasten uns
tagsüber hinein in das Gewirr der Eisberge vor dem Gletscher.
Hausgrosse Brocken sind das, dicht an dicht geschoben, mitten
dazwischen stecken wir, treiben mit der Tide im Eisberggewirr umher.
Ab und zu drehen sich Berge,Flutwellen entstehen, Bewegung im Eisfeld.
In der Garden Cove am Ausgang des Prince William Sounds (60° 20'N,
146° 32'W) fangen wir in einem kleinen Bach unsere ersten Lachse.
Rund vierhundertfünfzig Meilen Golf von Alaska liegen jetzt zwischen
uns und der Einfahrt in die geschützte Inside Passage, es ist Anfang
August. Für Tage bleibt das Wetter stabil, toller blauer Himmel und
Sonne, einfach nicht zu glauben. Einziger Nachteil: der Motor muss läufen.
Wir stoppen in der Icy Cove (59° 55'N, 141° 22'W), motoren durch
meilenlange Eisfelder, ankern vor Mount Saint Elias, 5500 Meter hoch,
zweithöchster Berg Nordamerikas, andere Fünftausender daneben.
Spektakulärster Ankerplatz Alaskas. Dann weiter nach Yakutat zum
Hubbard Gletscher, meilenbreite Gletscherfront, Eisberge überall. Ein
aktiver Gletscher, immer wieder stürzen hohe Eissäulen in das Meer,
schieben Flutwellen auf uns zu. Ein eiskalter Wind fällt vom
Gletscher auf uns herab. Wir fahren in den Hafen des kleinen
Fischerortes Yakutat und ankern (59° 33'N, 139° 45'W). Es ist heute
so warm, dass Kindern im Meer baden und wir in kurzen Hosen und Hemden
in der Sonne sitzen. Was für ein Wetterglück wir hatten in Alaska! |
Über Nacht geht es hinunter nach Elphin Cove, unserem ersten Hafen in
der Inside Passage (58Grad 12'N, 136° 21'W). Motorboote und
Segelschiffe aus Kanada und den Lower 48 der USA begegnen uns ab hier.
Die Inside Passag e mit ihren geschützten Gewässern macht die Fahrt
nach Süden einfach und sicher. Wir sind nicht mehr alleine. Das
richtige Alaska liegt hinter uns. Ein Tip noch: westlich der Glacier
Bay liegt die Dundas Bay (58° 22'N, 136° 23'W). Wir ankern alleine,
fahren mit dem Dinghy den Fluss hinauf und fangen soviel Lachse, wie
wir nur essen können. Fussabdrücke von Bären im klaren Wasser,
Adler über uns. Wie lange man hier bleiben könnte.
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Dann die Inside Passage, Glacier Bay, Juneau, die Gletsche r des Tracy
Arms, Canada... Vier Wochen sind wir unterwegs bis nach Friday Harbour
in den USA. Über die Inside Passage ist soviel geschrieben worden,
dass ich dem hier nichts mehr hinzufüge. Ein Rat an alle, die sich
auf den Weg zur Glacier Bay machen: die Fahrt in dem Golf von Alaska
nach Yakutat und Icy Bay ist jede Meile wert. Es ist wie ein Abstecher
in das wilde einsame Alaska, das man zwischen all den Schiffen in der
Inside Passage nicht so recht findet.
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Am 11. 9. liefen wir aus Friday Harbour aus, Kurs San Francisco, rund
700 Seemeilen. Vor der Küste Nordkaliforniens kamen wir in einen
Sturm, der uns Nordwest mit bis zu 62 Knoten brachte. Schiffe in
unserer Nähe gerieten in Seenot, ein Frachter wurde zwecks
Hilfeleistung zu einem Motorboot aus Kanada umgeleitet, ein Fischer
per Helicopter abgeborgen. Wir zogen unter Sturmfock nach Süden,
brauchten nur ein paar Stunden beizudrehen und hatten Glück: einziger
Schaden eine gebrochene Segellatte.
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Ein guter und sicherer Liegeplatz für längere Zeit in der San
Francisco Bay Area ist die Richmond Marina Bay, ein grosser moderner
Yachthafen. Kavenga lag dort für acht Wochen problemlos, während wir
vier per Auto die USA erkundeten. Kosten: pro Tag für unser 14 Meter
Schiff US $11.50. In der Bay Area gibt es jede Menge Liegeplätze, von
den viele bis US $15.- kosten. In Richmond braucht man ein Auto, denn
man ist recht weit ab vom Schuss. Wir haben noch drei Nächte in der
San Francisco Marina gelegen, im Zentrum der Stadt mit dem
fantastischen Blick auf die Golden Gate Bridge. Das kostete US$ 12.60.
Hier ist es recht schwellig, und alleine lassen würde ich mein Schiff
hier nicht. Ein anderer sehr guter Platz ist beim Encinal Yacht Club.
Wir waren nur per Auto hier und lernten Klaus Kutz, den Stützpunktleiter
hier kennen. Aber dies ist ein sehr geschützter Liegeplatz mit guter
Fährverbindung in die City, und Klaus ist sehr hilfsbereit und kennt
sich in allen Dingen hier prima aus, denn er lebt schon seit langen
Jahren in der Bay Area. Viele Grüsse an Dich Klaus, auf diesem Wege,
und vielen Dank nochmal für Deine Gastfreundschaft und Hilfe!
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Ab und zu segeln Yachten von Japan über den Nordpazifik nach Kanada
oder in die USA. Die alte Gross Segler Route läuft auf circa 45°
Nord über den Pazifik, eine alte erprobte Regel. Wir hörten von
einigen Schiffen, die dies in den letzten Jahren so machten. Alle
erlebten auf dieser 4500 Seemeilen langen Route irgendwo schweres
Wetter, einige erlitten Schäden. Wir hatten auf der ganzen
Nordstrecke dagegen eher zuwenig Wind als zuviel, hatten nur einen
Sturm vor Anker in Kiska, etwas schweres Wetter für kurze Zeit in der
Shelikoff Strait, und dann natürlich den Sturm vor Nord Kalifornien.
Wir denken, dass die nördliche Route sicherer ist. Man kann das
Wetter beobachten und Stürme im Hafen abreiten, und dann gibt es dort
dermassen viel zu erleben. Die schönste Landschaft und Tierwelt
unserer Segelzeit! Einziger Nachteil der Nordpazifik Schleife: die
Entfernungen sind gross, und man muss schon in Bewegung bleiben. Von
Townsville, Australien, über Papua New Guinea, Mikronesien, Japan,
Alaska hierher nach San Francisco haben wir in zehn Monaten gut 12 000
Seemeilen hinter uns gebracht und rund 170 Häfen und Ankerplätze
angelaufen.
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Heute ist der siebte November. Es ist kühl geworden hier in San
Francisco, Zeit nach Süden zu ziehen.
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